Heute kommt mal kein
Wanderbericht, sondern ein Einblick in meine Arbeit. Die Vermessung rund um das
Gleis ist interessant und abwechslungsreich, aber eigentlich nicht so spannend
für die Allgemeinheit, um darüber in einem Blog zu berichten. Dennoch will ich mal eine Ausnahme machen. Im Januar erhielt
ich die Aufgabe, beim Aufbau von zwei Hilfsbrücken über die Hamburger Straße in
Dresden-Cotta die baubegleitende Vermessung durchzuführen. Die etwa 110 Jahre alten
Bücken hatten ihre Tragfähigkeit verloren und mußten ausgewechselt werden. In
zwei Sperrpausen an zwei Wochenden sollten die Hilfsbrücken für beide Gleise eingebaut werden. Innerhalb von etwa 60 h (von Freitagabend
bis Montagfrüh) wurde eine alte Brücke abgerissen und durch eine Hilfsbrücke ersetzt. Hut ab vor der Organisation der vielen parallel arbeitenden Gewerke!
Da ich so etwas nicht alle Tage mache, möchte ich von dem interessanten Geschehen
berichten. Es war anstrengend bis an die Grenze der Belastbarkeit. Die Fotos
wurden mit einem alten Handy aufgenommen, sind deshalb von mieser Qualität. Aber
sie sollen ja mehr dokumentarischen Charakter haben…
Dezember 2014: Die
Grundplatten der Stützen werden eingerichtet (links).
Sa, 10.01.15: So sieht’s
auf der Baustelle bei Nacht, Nieselregen und 1 °C aus (rechts). Etwas skurril klang die notorisch
wiederholte Durchsage auf dem Bahnsteig: „Zug verkehrt heute wegen Bauarbeiten
im Schienenersatzverkehr.“ Was sonst…
So, 11.01.15: Die
erste Hilfsbrücke für das linke Gleis wird eingesetzt.
So, 11.01.15: Großes
Rätselraten bei den Ingenieuren von der DB und dem EBA. Die Hilfsbrücke ist 20
cm zu kurz! Die Ursache stellte sich später heraus: Die Brücke war falsch
beschriftet. Sie ist nicht 22,20 m lang, sondern nur 22,00 m (links).

Di, 13.01.15: Die Hilfsbrücke
ist dennoch fertig, das Gleis verlegt. Nun kann die Stopfmaschine ihre Arbeit
verrichten (rechts).
Sa, 17.01.15: Die
Stützen für die Mittelachse kommen „angeflogen“. Nun wird die zweite Hilfsbrücke für das rechte Gleis gebaut.
Sa, 17.01.15: Eine
Riesenbohrmaschine bohrt unter infernalischem Lärm bis weit in die Nacht hinein
insgesamt 6 Löcher (3 je Achse) bis 9 m tief bei 90 cm Durchmesser. Je
Achse werden dann drei Träger nebeneinander in den Löchern einbetoniert, die auch exakt eingerichtet werden
müssen. Danach kommt ein horizontaler Auflageträger darauf.

Sa, 17.01.15: Die
beiden Auflageträger auf den Stützen der Mittelachse werden von einem
Zweiwegebagger gebracht, dann eingerichtet und verschweißt.
Sa, 17.01.15: Ein
Zweiwegebagger bringt einen 10 m langen Träger, der in eines der 9 m tiefen
Löcher versenkt wird (links). Anschließend wird das Loch mit 8(?) m³ Beton verfüllt (rechts).
So, 18.01.15, 5 Uhr:
Eine der beiden Riesenbohrmaschinen wird mit einem riesigen Autokran aus dem
Gleisbereich über die abgesenkte Speiseleitung auf die Straße gehoben. Diese
Aktion hat mit allen Vorbereitungen vielleicht 2 bis 3 h gedauert.
Mo, 19.01.15: Das
Gleis ist bereits verlegt, die Fahrleitung wird montiert (rechts). Zum Schluß fährt noch
eine sogenannte Prüflok mit einigen voll beladenen Schotterwagen im Schneckentempo
über die neue Brücke (links). Prüfingenieure der DB beobachten das Prozedere
gewissenhaft.
Nun folgen in
regelmäßigen Abständen Setzungsmessungen. Wahrscheinlich erst 2019 soll dann
eine richtige Brücke an dieser Stelle gebaut werden, zusammen mit dem
Straßenausbau und dem Neubau des Haltepunktes Cotta.